Ratgeber

Vorwort: Gutes Schlagzeug, schlechtes Schlagzeug

Du hast Dich erfreulicherweise dazu entschieden, ein Schlagzeug zu kaufen? Wunderbar! Es gibt jedoch ein paar Dinge, die Du beachten musst. Andernfalls kann einem schnell der Spaß vergehen, da es auf dem Markt auch Schrott gibt. Dieser kleine Ratgeber richtet sich vornehmlich an Einsteiger, er dürfte aber auch Fortgeschrittenen noch helfen. Beginnen wir mit dem Kauf eines neuen Schlagzeug.

Bestimmt hast Du (auf eBay z. B.) schon Drumsets für 150 bis 200 Franken gesehen. Ich kann jedoch gleich sagen: Nö, das wird nichts. Auch wenn dort das ganze Zubehör vorhanden ist (Felle, Hocker, Cymbals), kannst Du Dir sicher sein, dass dieses bereits nach kurzer Zeit aufgrund der minderen Qualität ausgetauscht werden muss. Ich würde generell kein Schlagzeug kaufen, bei dem zu einem (mehr oder weniger) geringen Aufpreis No-Name-Cymbals enthalten sind. Bei einem gebrauchten Set (auch von eBay oder sonstwo) ist das unter Umständen etwas anderes, da hier oftmals gute Cymbals mit angeboten werden. Aber dazu später mehr.

Was Dich beim Kauf eines Billig-Sets erwartet:

Kessel aus Billigholz, welche in 99 % der Fälle absolut dumpf und einfach unschön klingen
generell schlecht vearbeitete, instabile Hardware; selbst wenn die Drums an sich brauchbar sind, beeinträchtigt der Rest die Qualität des Drumsets erheblich; irgendwo müssen die Händler ja sparen
schlecht verarbeitete und ebenso schlecht klingende Blech-Cymbals; diese werden garantiert schon nach kurzer Zeit Beulen, Dellen und Risse bekommen oder sich komplett verformen
falls ein Hocker enthalten ist, wird auch dieser den Anforderungen nicht gerecht werden und wackelig sein

Was sagt uns das alles? Dass man nicht am falschen Ende sparen sollte. Ein schlecht verarbeitetes und grausig klingendes Schlagzeug bedeutet in der Regel sehr schnell das Aus. Die Begeisterung für's Schlagzeugspielen ist weg und das ist absolut unnötig und schade. Niemand möchte an einem wackeligen Drumset spielen, das zudem auch noch unschön klingt. Von daher solltest man einplanen, dass die Anschaffung etwas teurer wird.

»Wer billig kauft, kauft zweimal«

Du möchtest jetzt sicherlich einen Preis hören? ;) Grob geschätzt kriegt man ein neues, qualitatives Einsteigerset ab ca. 800 Franken. Das mag viel Geld sein, aber vergiss nicht: Schlagzeug ist ein teures Hobby. Gerade Einsteiger oder Eltern, die sich nach einem Schlagzeug für ihre Kinder umsehen, mögen gar nicht glauben, dass man zu diesem Preis im hochprofessionellen Sektor Hi-Hats bekommt (ohne Fußmaschine o. ä., ich meine nur die beiden Becken). Ein paar High-End-Cymbals kosten ganz schnell über 1000 Franken. So viel Geld ist aber gar nicht nötig und am Anfang auch vollkommen unangebracht. Mit den eben erwähnten 8oo Franken ist man gut dabei. Zu diesem Preis erhält man bereits ein Drumset, bei dem die Verarbeitung und enthaltene Hardware qualitativ weit über den Billig-Sets liegen. Wer sich das klar gemacht hat, wird hoffentlich einsehen, dass ein paar Franken mehr eine sehr gute Investition sind. Das Schlagzeug, welches man dafür erhält, lässt sich problemlos ausbauen.

So, nach dieser kleinen Einführung komme ich auf das nächste Thema zu sprechen, das es zu beachten gilt: welche Holzsorten eignen sich? Was muss ich bei den Kesseln beachten? Soll das Schlagzeug foliert oder lackiert sein?

Welche Holzart?

Die Frage nach der Holzart für ein Schlagzeug taucht immer wieder auf. Gängige Holzarten für das untere Preissegment sind Pappel und Linde, im Fortgeschrittenen- und Profi-Bereich findet man diese Holzarten dagegen gar nicht vor. Hier werden Sets aus Ahorn, Eiche, Bubinga usw. gefertigt. Von dem Extremen, Pappel und Linde, einmal abgesehen, ist jedoch vielmehr die Bauart der Kessel für den Klang entscheidend: wie tief und breit sind diese? Und wie dick? Von Pappel-Kesseln kann ich nur abraten, diese sind ihr Geld kaum wert. Doch auf von den großten und bekannten Herstellern werden Billig-Schlagzeuge aus diesen Materialien hergestellt. Daneben gibt es aber auch andere Materialien wie Acryl, Hanf o. ä. Diese werde ich im Folgenden jedoch nicht weiter beachten, da dieser Ratgeber sich an Einsteiger richtet und diese sich in der Regel, wie der Großteil aller Schlagzeuger, für ein Holzset entscheiden. Man kann grob sagen: bei Mahagoni-Kessel kommen im Gegensatz zu Ahorn die tieferen Töne mehr zur Geltung. Bei Birke ist es so, dass diese, im Vergleich zu Ahorn, mehr Obertöne produziert.

Folie oder Lack?

Entgegen landläufiger Meinungen ist es praktisch egal, ob das Drumset lackiert oder foliert ist. Einen hörbaren Unterschied gibt es praktisch nicht, es sei denn, die Folie ist z. B. zu dick und schlecht verklebt. Auch wenn manche der Meinung sind, einen Unterschied zu hören, hängt der Klang natürlich deutlich mehr vom Holz und der Größe der Kessel ab. Deshalb sollte man einen Kauf, in Bezug auf den Klang eines Schlagzeugs, nicht von Folie oder Lack abhängig machen.
Ein praktischer Unterschied besteht jedoch in den Finishes: die Oberklasse-Sets sind zu einem sehr großen Teil aufwendig lackiert, was schnell teuer wird. Hersteller wie DW bieten wunderschöne Lackierungen an, durch die die Maserung vom Holz durchscheint. So was sieht wirklich toll aus und ist in der Form mit Folien nicht zu erreichen, kostet aber auch dementsprechend. Falls das Schlagzeug oft zu verschiedenen Gigs etc. transportiert werden muss, bietet sich praktischerweise auch Folie an. Diese kann zwar auch verkratzen, allerdings nicht spröde werden und abplittern, wie es bei Lack der Fall ist. Ebenso lässt sich ein Drumset auch günstiger neu folieren, als lackieren.

Welche Kessel?

Dies ist ein sehr wichtiger Punkt und hat größere Auswirkungen auf den Klang, als das verwendete Holz: der Durchmesser und die Tiefe der Kessel. Wichtig ist die richtige Abstimmung der Toms in Bezug auf die Wahl der Größe. Die verkauften Sets werden aber immer in abgestimmten Größen Angeboten: also z. B. mit 10", 12" und 14" Tom, sodass sich mit der richtigen Stimmung aufeinanderfolgende Tonlagen erzielen lassen. Je dünner ein Kessel ist, desto leichter wird er angeregt, sodass sie über mehr Resonanzklang verfügen. Bei Kesseltiefe und Durchmesser ist Folgendes zu beachten: die Tiefe hat hauptsächlich Auswirkung auf die generelle Lautstärke. Sehr flache Kessel führen dazu, dass die Trommel schneller anpricht und mehr Punch hat (z. B. das Tama Superstar Hyperdrive). Die Breite der Kessel wirkt sich dagegen auf die Tonhöhe auf. Breitere Kessel klingen tiefer, schmalere Kessel höher. Bei einigen Sets wirst Du merken, dass diese als Rock-, Fusion-, Studio- oder Standard-Ausführung angeboten werden. Diese Bezeichnungen besagen nur, dass die Sets sich in der Kesselgröße unterscheiden. So sind z. B. ein Rock- und ein Fusion-Set (der gleichen Marke und der gleichen Serie) von der Verarbeitung her völlig identisch und unterscheiden sich allein in der Kesselgröße, denn die Trommeln des Rocksets sind in diesem Fall breiter und auch tiefer. Eine gute Wahl für einen Anfänger ist ein Set bestehend aus 10", 12" und 14" Toms, sowie einer 20" Bassdrum. Ebenso entscheidend für den Klang ist die Kesselgratung. Spitze Gratungen verursachen mehr Resonanz und mehr Obertöne.

Spannreifen und Spannböckchen

Mithilfe der Spannreifen wird das Fell auf dem Kessel befestigt. Hier gibt es zum Beispiel die schweren Gussreifen. Diese ermöglichen eine präzisere Stimmung des Fells. Daneben gibt es auch noch Spannreifen aus Holz. Mit diesem klingen die Trommeln heller und resonanter. Von der Anzahl der Spannböckchen hängt ab, wie leicht sich das Schlagzeug stimmen lässt. Je mehr Spannböckchen, desto geringer ist der Aufwand.


Gute Schlagzeuge für Einsteiger

Im Folgenden werde ich ein paar Drumsets nennen, welche sich für Einsteiger eignen. Aufgrund der grundsätzlich guten Verarbeitung und des Klangs wird man mit diesen Drumkits einige Jahre Freude haben. Bei der Wahl eines Drumsets sollte man auch im Hinterkopf behalten, dass man Cymbals benötigt. Doch auch hier gibt es sehr gute Becken, welche noch relativ günstig sind. Welche das sind, erfährst Du in Cymbals: Gute Cymbals für Einsteiger. Wir achten darauf, dass die Kessel nicht aus Pappel oder ähnlichem Billig-Holz sind. Ein gutes Birke- oder Ahorn-Set sollte schon drin sein.

  • SONOR SmartForce
  • SONOR SelectForce
  • SONOR Essential
  • TAMA Superstar
  • Tama Imperialstar
  • PDP
  • Drum Craft

Cymbals

Ein immer wieder aufkommendes Thema ist die Wahl der richtigen Cymbals. Internet-Foren werden jeden Tag mit Themen unterhalten, welche Titel wie »Welche Cymbals für xyz?«, »Neue Becken gesucht« oder einfach nur »Hilfe!!« tragen. Auch wenn viele Nutze genervt reagieren, ist die Ratlosigkeit vieler (Neulinge) nicht verwunderlich. Auf dem Markt gibt es inzwischen unzählige Hersteller, welche ebenso viele Serien rausbringen. Und selbst namhafte Hersteller – wie Zildjian, Meinl, Sabian oder Paiste, um einige zu nennen – bringen unbrauchbare Billig-Cymbals heraus. Von Messing-Becken sollte man generell die Finger lassen. Vernünftige Cymbals werden mindestens aus B8- oder der besseren B20-Bronze hergestellt.

Für Einsteiger geeignete Cymbals

Hier gebe ich einen Überblick über anspruchsvoll verarbeitete und schön klingende Cymbals für Einsteiger. Diese bieten einen guten Sound für (verhältnismäßig) wenig Geld und mit ihnen kann man wirklich viele Jahre zufrieden sein und Spaß haben. Ich werde auch immer ein paar Preise nennen, die Du dann vergleichen kannst. An dieser Stelle übernehme ich keine Verantwortung für die Richtigkeit der Angaben, da die Preise sich natürlich jederzeit ändern können.



Paiste Alpha Cymbals

    Paiste Alpha Brilliant Rock Hi-Hat 14"
    Paiste Alpha Brilliant Rock Crash 16"
    Paiste Alpha Brilliant Rock Crash 18"
    Paiste Alpha Brilliant Rock Ride 20"

 

Paiste PST 5 / PST 7 / PST 8 Cymbals

    Paiste PST 5 / PST 7 / PST 8 Hi-Hat 14"
    Paiste PST 5 / PST 7 / PST 8 Crash 16"
    Paiste PST 5 / PST 7 / PST 8 Crash 18"
    Paiste PST 5 / PST 7 / PST 8 Ride 20"

 

Meinl MCS Series

    Meinl MCS Hi-Hat 14"
    Meinl MCS Crash 16"
    Meinl MCS Crash 18"
    Meinl MCS Ride 20"


Meinl Classics Series

    Meinl Classics Hi-Hat 14"
    Meinl Classics Crash 16"
    Meinl Classics Crash 18"
    Meinl Classics Ride 20"



Von diesen Cymbals solltest Du Abstand halten

Auch wenn sie teilweise große Namen tragen, sind folgende Cymbals eine absolute Zumutung: die Billigserien von Tama, Pearl, Paiste (die Paiste 101 z. B. sind wirklich schlimm), Zildjian Planet Z, Magic, Magna und wie sie alle heißen. Hier erwarten Euch keine Cymbals, sondern Blech-Teile, welche einfach nicht zu gebrauchen sind. Keine Ahnung, warum manche Hersteller der Meinung sind, dass sie unbedingt Cymbals rausbringen müssen. Die gerade genannten vergraulen selbst ungeübte Ohren.


Cymbals der Oberklasse

Sabian HHX, Zildjian, Paiste Signature. Neben diesen Becken, die es fast in jedem größeren Musikladen gibt, kommen noch die türkischen Hersteller dazu: Anatolian, Bosphorus, Diril Cymbals, Istanbul Agop. Diese bieten im Vergleich zu den anderen Herstellern keine Einsteiger-Sets an. Man ist sich dort der Tradition bewusst und stellt jedes Becken ausschließlich in Handarbeit her. Wie man sich das vorzustellen hat, siehst Du auf den Fotos weiter oben. Im Folgenden wähle ich verschiedene Cymbals aus unterschiedlichen Serien der Hersteller aus. Auch wenn sich die Cymbals der verschiedenen Serien der Manufakturen im Klang unterscheiden, gibt es im Grunde zwischen kein schlechter oder besser. Die Cymbals lassen sich jedoch unterschiedlich einsetzen. Die leichter klingenden eignen sich z. B. für Jazz und härtere dagegen für Rock oder Metal.


Nun kann es losgehen. Wenn Du noch Fragen hast, dann stehen wir Dir gerne zur Verfügung.

Let's Drum !!!